Baskische Parteien wollen Stierfeste gesetzlich absichern
Politischer Schulterschluss zwischen PSOE und PNV
Die baskische PSOE und die PNV haben einen Gesetzentwurf vorgelegt, mit dem traditionelle Stierfeste in der Autonomen Gemeinschaft offiziell geregelt und geschützt werden sollen. Begründet wird dies mit dem angeblichen "kulturellen Wert" und der historischen Verankerung solcher Feste in vielen Gemeinden des Baskenlands. Besonders im Fokus stehen Veranstaltungen, an denen Minderjährige beteiligt sind – darunter das Freilassen junger Kälber oder der Brauch der sokamuturra.
Rechtliche Lücke soll geschlossen werden
Im Baskenland finden jährlich rund tausend Stierfeste statt, viele davon unter Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen. Bislang befinden sich diese Feiern in einem weitgehend ungeregelten Rechtsbereich. Der Gesetzentwurf soll diese Lücke schließen und ein eigenes Regelwerk schaffen, das sowohl den Ablauf als auch die Rahmenbedingungen festlegt.
Offizielle Ziele: Sicherheit, Kinderschutz und Tierschutz
Das Gesetz stützt sich formal auf drei Grundziele:
- Schutz der teilnehmenden Personen
- Schutz Minderjähriger
- Wohl des Tieres
Der Text verbietet ausdrücklich jede Form von Misshandlung oder Schädigung des Tieres. Die eingesetzten Rinder dürfen nicht älter als 18 Monate sein und müssen während der Veranstaltungen Schutzvorrichtungen an den Hörnern tragen. Es wird klargestellt, dass die Tiere weder verletzt, gestochen, geschlagen noch auf entwürdigende oder unnatürliche Weise behandelt werden dürfen. Zudem ist der Einsatz von Instrumenten oder Markierungen verboten, die Schmerzen verursachen könnten.
Teilnahmebedingungen für Minderjährige
Für Kinder und Jugendliche sieht der Entwurf folgende Bedingungen vor:
- Minderjährige benötigen die ausdrückliche Zustimmung der Eltern.
- Kinder unter 14 Jahren müssen von einer erwachsenen Person begleitet werden.
- Veranstalter müssen eine behördliche Genehmigung der Abteilung für Glücksspiel und öffentliche Veranstaltungen einholen.
- Ein zugelassener Tierarzt muss beim Eintreffen der Tiere anwesend sein und jederzeit eingreifen können.
Verstöße können mit Geldbußen von bis zu 120.000 Euro geahndet werden. In schweren Fällen ist zudem eine zeitweise Suspendierung oder ein Verbot der Organisation solcher Feste für bis zu fünf Jahre vorgesehen.
Innerparteiliche Spannungen in der PSOE
Die Haltung der baskischen Sozialisten steht im Kontrast zur unklaren Linie der Partei auf nationaler Ebene. Die baskische Parteiföderation gehörte zu den Kräften, die intern Druck ausübten, um zu verhindern, dass die PSOE eine Bürgerinitiative unterstützte, die den besonderen Schutzstatus der Stierkampftradition aufheben wollte. Die Partei enthielt sich schließlich – und die Initiative erreichte keine Parlamentsdebatte.
Eneko Andueza, Generalsekretär der baskischen PSOE, tritt öffentlich für die Erhaltung von Stiertraditionen ein und bezeichnet Stierkampfveranstaltungen als "Lebenslektion" und Ausdruck persönlicher Freiheit. Seine Position führte wiederholt zu Spannungen innerhalb der Partei.
Unterschied zwischen Corridas und volkstümlichen Stierfesten
Laut dem Soziologen Antonio Martín Cabello verläuft die gesellschaftliche Debatte differenzierter als oft angenommen. Während klassische Stierkämpfe (Corridas) zunehmend abgelehnt werden, haben volkstümliche Stierfeste in vielen Regionen weiterhin soziale Unterstützung. Selbst in Katalonien wurden Corridas verboten, während traditionelle Festformen wie die correbous beibehalten wurden.
Bewertung aus Tierschutzsicht
Obwohl der Entwurf sprachlich stark auf den Begriff "Tierschutz" setzt, bleibt fraglich, inwieweit das Wohl der Tiere tatsächlich gewährleistet ist. Auch mit Schutzkappen an den Hörnern bleiben die Tiere Stress, Enge, Menschenmengen, Lärm und Fluchtsituationen ausgesetzt. Gleichzeitig eröffnet die Beteiligung von Kindern an solchen Veranstaltungen ein weiteres ethisches Problefeld: Sie lernen, dass Tiere in einem Moment der Angst und Überforderung als Unterhaltungsobjekt dienen.
Der Gesetzentwurf zeigt somit weniger einen echten Schutzansatz als vielmehr das Bemühen, traditionelle Praktiken trotz wachsender gesellschaftlicher Kritik rechtlich zu stabilisieren.
F.S.
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