Jeder fünfte Tierhalter leidet mehr unter dem Verlust eines Haustiers als unter dem eines nahestehenden Menschen

Veröffentlicht am : 04. April 2026
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Die anhaltende Trauerstörung (TDP) ist eine international anerkannte psychiatrische Erkrankung, die nach geltenden Richtlinien bislang nur nach dem Tod eines Menschen diagnostiziert werden kann. Diese Definition steht jedoch im Spannungsfeld zu zahlreichen Erkenntnissen, die zeigen, wie eng die Bindung zwischen Mensch und Tier sein kann – und wie tief die Trauer über den Verlust eines Haustiers tatsächlich geht.

Zwar entwickelt nur ein kleiner Teil der Trauernden eine solche Störung. Dennoch gilt das Ende einer engen emotionalen Bindung als entscheidender Faktor. Die diagnostischen Kriterien unterscheiden sich leicht zwischen den Klassifikationssystemen (ICD-11 und DSM-5-TR), doch im Kern stehen zwei zentrale Symptome: eine intensive Sehnsucht nach dem Verstorbenen und eine gedankliche Fixierung auf ihn. Hinzu kommen Begleiterscheinungen wie starker emotionaler Schmerz, Schuldgefühle, tiefe Traurigkeit und Schwierigkeiten, den Verlust zu akzeptieren.

Vor diesem Hintergrund untersuchte eine Studie, ob sich Trauerprozesse nach dem Tod eines Menschen und nach dem Verlust eines Haustiers unterscheiden. Die Forschenden argumentieren: Wenn der Verlust einer engen Bindung ausschlaggebend ist, dann ist es plausibel, dass auch der Tod eines geliebten Tieres eine anhaltende Trauerstörung auslösen kann.

Für die Untersuchung wurde eine repräsentative Stichprobe von 975 Erwachsenen im Vereinigten Königreich befragt. Sie gaben Auskunft über ihre Trauererfahrungen und darüber, inwieweit diese den Kriterien einer anhaltenden Trauerstörung entsprechen.

Kaum Unterschiede in der Trauer – unabhängig von Mensch oder Tier

Ein Drittel der Befragten (32,6 %) hatte bereits den Tod eines geliebten Haustiers erlebt, und nahezu alle hatten auch einen Menschen verloren. Bemerkenswert: 21 % empfanden den Verlust ihres Haustiers als den schmerzhaftesten in ihrem Leben.

Auch die Zahlen zu möglichen Symptomen einer anhaltenden Trauerstörung sind aufschlussreich: Nach dem Tod eines Haustiers lag die Quote bei 7,5 % – ein Wert, der mit vielen menschlichen Verlusten vergleichbar ist. Damit bewegt sich die Trauer um ein Tier auf einem ähnlichen Niveau wie die nach dem Tod eines engen Freundes, eines Familienmitglieds oder sogar eines Partners.

Nur der Verlust eines Elternteils – und besonders der eines Kindes – wurde deutlich häufiger mit entsprechenden Symptomen in Verbindung gebracht.

Entscheidend ist jedoch: Die Studie fand keine signifikanten Unterschiede in der Ausprägung der Trauersymptome – unabhängig davon, ob ein Mensch oder ein Tier betrauert wurde.

Das Fazit der Forschenden ist eindeutig: Auch nach dem Tod eines Haustiers können Menschen klinisch relevante Formen anhaltender Trauer entwickeln – und diese äußern sich in vergleichbarer Weise wie nach dem Verlust eines nahestehenden Menschen.

C.S.

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